Geschichte der IG Klettern
Die von Naturschutzseite verhängte Sperrung des beliebten Röthelfelsens im Frankenjura wegen eines potentiellen Wanderfalkenbrutplatzes traf die Kletterer im Frühjahr 1989 unerwartet und wurde zum Auslöser für die Gründung der ersten IG Klettern. Einige der betroffenen Kletterer taten sich zusammen, protestierten und verhandelten. Mit Erfolg, sie erreichten eine vorzeitige Wiederfreigabe des Felsens. Im darauffolgenden Herbst hoben sie dann die erste IG Klettern Deutschlands aus der Taufe, um zu verhindern, daß solche Sperrungen zukünftig ohne Vorankündigung und Beteiligung der Kletterer durchgeführt werden.
Auf der Gründungsversammlung am 04. November 1989 wurde damals heiß diskutiert, ob DAV-Sektion oder nicht, denn überraschend war hochrangiger Besuch vom DAV aus München erschienen. Doch die Initiatoren des Treffens hatten weniger gute Erfahrungen mit der finanziellen Abhängigkeit vom DAV gemacht und wollten unabhängig sein. Auch war den Kletterern bezüglich der Sperrung des Röthelfelsens vom zuständigen Landratsamt mitgeteilt worden, daß der DAV in München über die Sperrung des Röthelfelsens informiert worden war, von diesem jedoch keine Einwände geäußert wurden. Die Alpenvereinssektionen in Nordbayern hatte die Behörde nicht weiter informiert, da es in Franken etwa 40 Sektionen gibt und sie nicht wußte, welche Sektion zuständig war. Dieses Statement der Behörden hatte den Kletterern eindringlich vor Augen geführt, daß die Notwendigkeit einer eigenständigen Vereinigung und eines zentralen Ansprechpartners für die Belange des Klettersports bestand, damit die Interessen der fränkischen Kletterer nachdrücklich und kompetent vertreten werden können - der letzlich ausschlaggebende Grund für die Gründung der IG Klettern Frankenjura & Fichtelgebirge e.V., denn wer weiß schon besser was für den Klettersport wichtig ist als die Kletterer selbst.
Die Gründung der ersten IG Klettern machte insbesondere in Baden-Württemberg Schule, denn dort sorgte die besondere Auslegung des Biotopschutzparagraphen und die mit allen Mitteln gegen den Klettersport agierenden Naturschützer für eine massive Zuspitzung der Lage, mit furchterregenden Perspektiven für den Klettersport. Um den vielfältig drohenden Felssperrungen bzw. den Bestrebungen ein kletterfreies Bundesland zu erwirken effektiv entgegen treten zu können, gründeten sich dort bis zum Frühjahr 1991 vier weitere IG Klettern, welche von nun an die Interessen der Kletterer auf der Schwäbischen Alb, im Donautal sowie in Nord- und Südschwarzwald vertraten. Aber auch im Norden Deutschlands, im Münsterland und im Harz waren die Kletterer nicht untätig. Somit gab es innerhalb von nur 14 Monaten nach Gründung der Franken-IG bereits 6 weitere IG Klettern in Deutschland, zu denen im Herbst 1991 noch die IG Klettern Ith hinzu kam.
Damit war es dann auch schon an der Zeit für eine bereits desöfteren diskutierte, bundesweite Koordinierung der Aktivitäten. Um den notwendigen Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den IGs und die gegenseitige Unterstützung zu gewährleisten, war die Einrichtung einer übergeordneten Dachorganisation binnen weniger Monate immer wichtiger geworden. Am 29. Juni 1991 wurde zur Tat geschritten, die überall gleichermaßen bedrohlichen Entwicklungen in der Fels- bzw. Naturschutzpolitik der einzelnen Bundesländer hatten den Ausschlag gegeben. Wiederum war es im Frankenjura, wo das Vorhaben in die Tat umgesetzt wurde und die IGs den Bundesverband IG Klettern ins Leben riefen.
Die beiden damaligen Sprecher, Friedwart Lender und Hans-Markus Urban, machten sich unverzüglich an die Arbeit und waren dann auch im Dezember 1992 kurzfristig nach Bonn gereist, um mit dem Bundesverband IG Klettern den entscheidenden 7. Verband zu stellen, ohne den die Gründung des Kuratoriums Sport & Natur nicht hätte vollzogen werden können. Wie wichtig die Gründung und der Beitritt zum Kuratorium, dem Zusammenschluß der in Deutschland beheimateten Natursportverbände damals war, zeigte sich in den darauf folgenden Jahren bis heute. Insbesondere bei der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes und den von der Europäischen Union verabschiedeten FFH- und Vogelschutzrichtlinien, welche bundesweit eine Zunahme der ausgewiesenen Naturschutzflächen zur Folge haben. Durch das Kuratorium ist der Bundesverband IG Klettern über die aktuellen Entwicklung informiert und kann die Interessen des Klettersports entsprechend einbringen.
Am 8.Juli 2002 gründete sich die IG Klettern und Bergsport Allgäu e.V. als südlichster Spross der IG-Klettern, in deren Zuständigkeitsbereich auch einige Felsen in Vorarlberg und Tirol fallen. Eines der beliebtesten Klettergebiete am Grünten sollte als „Ausgleichsmaßnahme“ zur geplanten Erweiterung eines Skigebietes gesperrt werden. Wenig später – nach Verhandlungen mit dem Landratsamt und weiteren Interessengruppen - war die Vollsperrung vom Tisch. Die IG Klettern Allgäu engagiert sich auch gegen unbegründete Skitourensperrungen, die im Rahmen des DAV-Projektes "Skibergsteigen umweltfreundlich" entstanden und zum Teil bis heute bestehen.
2008 gründete sich die IG Klettern Saar-Hunsrück, nachdem umfangreiche Felssperrungen drohten. Bald darauf konnte von der neu gegründeten IG erreicht werden, dass am „Ferl“ weiterhin geklettert werden darf.
2011 wurde die IG Klettern Vulkaneifel in der Pfalz gegündet und trat als bislang neuste IG dem Bundesverband bei. Die IG Klettern ist nach gut 20 Jahren flächendeckend im Bundesgebiet vertreten und stellt den Mitgliederstärksten reinen Kletterverband Deutschlands dar.




